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14.12.2015 Kategorie: Aktuelles

Neue Literatur aus der Schweiz

Schenkung der Kulturstiftung Pro Helvetia


Die Deutsche Bibliothek Helsinki hat im Herbst 2015 erneut ein Bücherpaket von der Stiftung Pro Helvetia erhalten mit 16 Neuerscheinungen aus der Schweiz:

Ralph Dutli: Die Liebenden von Mantua. Wallstein, August 2015

Seit 6000 Jahren lagen sie sich in den Armen: Als 2007 die aus der Jungsteinzeit stammenden Skelette zweier junger Menschen bei der Stadt Mantua ausgegraben wurden, gingen die Bilder um die Welt. «Die Liebenden von Mantua» ist ein Roman über die Erdbebenzonen des Lebens, über eine neue Liebesutopie, über Religion und Renaissance, den unsicheren Status der Wirklichkeit und die unheimliche Macht der Schrift. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2015.

Dorothee Elmiger: Schlafgänger. DuMont, März 2014

Irgendwo tief im europäischen Wald begegnen sie sich. Grenzgänger, Schmugglerinnen, Flüchtlinge, Arbeiterinnen, Asylbewerber, Kontrolleure, Künstlerinnen, Instrumentalistinnen, Schauspieler, Journalisten, Stipendiaten, Logistiker, Studentinnen, Geister. Sie kommen von überall. Sie alle sind Stellvertreter unserer Zeit, und sie führen ein Gespräch. Über Herkunft und Gerechtigkeit, über Körper und Staat, Import und Export, Heimat und Migration, über Glück, Musik und den Tod. Schweizer Literaturpreis 2015.

Michael Fehr: Simeliberg. Der gesunde Menschenversand, Februar 2015

«Simeliberg» ist zweierlei in einem: Klangkunstwerk und rätselhafte Kriminalgeschichte. Hinunter ins Loch, durch Matsch und Dreck, fährt Gemeindsverwalter Griese mit seinem Landrover. Die Repetierwaffe auf dem Rücksitz, erfüllt er widerwillig den Auftrag der kantonalen Sozialhilfebehörde, einen Bauern in die Stadt zu bringen. Dessen Frau ist verschwunden, in der Stadt will man der Angelegenheit auf den Grund gehen. Polizei, Nachforschungen, Drohungen - alles nimmt seinen Lauf in diesem Werk, in dem Erzählung und Klang eine ungewöhnliche Symbiose eingehen. Eine Geschichte von existenzieller Wucht um Themen wie Ideologie und Verwirrung, Vereinsamung und Geborgenheit. «Simeliberg» gewann den Kelag-Preis am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2014.

Katharina Geiser: Vierfleck oder Das Glück. Jung und Jung, Februar 2015

Die Geschichte einer schillernden Viererbeziehung, die zeigt, dass die Voraussetzung für unser Glück oft nichts anderes ist als unsere Ahnungslosigkeit. Es sind vier Jahrzehnte deutscher Geschichte (1900–1944), die in diesem Roman lebendig werden, vor allem in den Details, abseits der Hauptsachen und der Hauptfiguren. Katharina Geiser macht das Lebensgefühl jener Jahre spürbar, und sie erzählt diese Geschichte so heiter, dass es schmerzt.

Dagny Gioulami: Alle Geschichten die ich kenne. Weissbooks, Februar 2015

Ein Abenteuer, ein Märchen aus unseren Tagen. Es beginnt in Zürich, in einer chemischen Reinigung, deren neue Besitzerin vom Pech verfolgt scheint. Um sie zu retten, bricht eine ihrer Kundinnen, die Ich-Erzählerin, zu einer Reise in das Heimatland ihrer Familie auf: nach Griechenland. Sie setzt ihre Hoffnung auf Tante Irini, eine begnadete Schneiderin, die in einem geheimnisvollen Bund mit dem Schicksal steht. Ein Roadtrip, auf dem sich um die Berichte der diversen Tanten und Onkel eine bewegte Familiengeschichte entspinnt.

Dana Grigorcea: Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit. Dörlemann, Juli 2015

Eine Bank wird überfallen und in der Folge die Angestellte Victoria vom Dienst beurlaubt, um ihr traumatisches Erlebnis zu verarbeiten. Eben erst in ihre Heimatstadt zurückgekehrt, nutzt sie die Zeit, um das Bukarest ihrer Kindheit, aber auch der Gegenwart zu erkunden. Sie begegnet der alten Näherin auf ihrem Podest, dem Bankräuber, ihrem ehemaligen Liebhaber, dem Sohn der ermordeten Nachbarn und weiterer Figuren aus ihrer Vergangenheit wieder. Mit dem 3sat-Preis am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2015 ausgezeichnet.

Lukas Hartmann: Auf beiden Seiten. Diogenes, März 2015

1989 und 1990: Jahre des Umbruchs. Der Schweizer Journalist Mario, gerade von seiner Frau getrennt, reist kurz vor dem Mauerfall für eine Reportage nach Ostberlin. Was er noch nicht weiss: Der Kalte Krieg reicht auch bis in sein Leben und seine Familie hinein. Ein überraschender, politisch brisanter Roman über eine nahe Vergangenheit, die bis heute nachwirkt.

Hanna Johansen: Der Herbst, in dem ich Klavier spielen lernte. Dörlemann, September 2014

«Ich lerne Klavier spielen.» Mit diesem Satz beginnen am 22. September die Aufzeichnungen, in denen die Ich-Erzählerin in Hanna Johansens neuem Buch «Der Herbst, in dem ich Klavier spielen lernte» während dreier Monate dieses Vorhaben protokolliert, das sie weit in die Kindheit in Norddeutschland führt und wieder zurück in die Gegenwart, zur Gartenarbeit im Herbst, zum Wechsel von Beständigkeit und Verlust von Fähigkeiten und Kräften, zur Frage nach dem Zuhause. Schweizer Literaturpreis 2015.

Guy Krneta: Unger üs, MP3-Hörbuch, 2015

Ein Familienroman, mehr noch: ein Gesellschaftsroman. Und das im Spoken Word? Durchaus. Guy Krneta gelingt das Wagnis, indem er uns Momentaufnahmen aus der Geschichte einer Schweizer Familie und mit ihr aus den vergangenen fünfzig Jahren der Schweiz verschafft. Wie im Fotoalbum ergeben sich kleinere und grössere Sprünge zwischen den einzelnen Aufnahmen. Umso grösser wird die Spannung: Wo bleibt er denn, der Unggle Sämi? Und danach die Auflösung: Ah, da ist er wieder, oder: Diese Vivienne kenne ich doch auch schon. Aber "unger üs" bleiben wir dabei nicht. Und dies nicht nur, weil der Ich-Erzähler nach Peru fährt, um das Kind zu finden, das er gezeugt haben will. Literaturpreis 2015.

Adolph Muschg: Im Erlebensfall. Versuche und Reden 2002–2013, 2014

Kulturelles Gedächtnis und digitale Revolution, das Nachleben mythischer Verstrickungen in Kunst und Zivilisation, menschliche Endlichkeit und Konsumgesellschaft, Europa und das Finanzkapital, und immer wieder: die Grenze als kritische Größe des guten Lebens - das sind Themen von Adolf Muschgs großartigen Vorträgen und Essays, die aus Anlass seines achtzigsten Geburtstages in diesem Band versammelt sind, der mit einer luziden Lektüre des Gemäldes «Die Spinnerinnen» von Velázquez einsetzt. Das Gemälde thematisiert den Anfang der Webkunst – auch der Verfertigung von Texten. Der rote Faden, der dabei entsteht, führt allerdings nicht aus dem Labyrinth heraus, sondern auf rechte Art hinein. Er lehrt erkennen, dass die Ränder menschlicher Existenz und ihr Zentrum nicht zweierlei sind. Worauf es ankommt, ist die Erfahrung des Wegs.

Ruth Schweikert: Wie wir älter werden. S. Fischer, Mai 2015

Wie spät ist es? Draußen liegt Schnee. Drinnen bereitet der 87-jährige Jacques wie jeden Morgen das Mittagessen für seine pflegebedürftige Frau Friederike vor. Neun Jahre lang lebte er zwischendurch mit einer anderen Frau zusammen, dann aber kehrte er in seine alte Ehe zurück. Auch im Leben der erwachsenen Kinder und Enkelkinder gibt es immer wieder Trennungen und Wandlungen, Abschiede und Aufbrüche, getrieben von der Sehnsucht nach Freiheit und Verlässlichkeit zugleich. In wechselnden Perspektiven umkreist «Wie wir älter werden» die Geschichten dreier Generationen, die vom Zweiten Weltkrieg bis in die unmittelbare Gegenwart reichen.

Monique Schwitter: Eins im Andern. Droschl, August 2015

Die Protagonistin in Monique Schwitters neuem Roman unternimmt eine Liebesrecherche: Sie handelt ihre Liebesbiographie an zwölf Männern ab, die weit mehr als die Namen gemein haben mit den Aposteln, den Gesandten des Glaubens und der Liebe. Es sind beinahe mythische Umrisse von Männern, die sie schreibend mit Liebe, Leben und Geschichte füllt. Und je länger sie schreibt, desto stärker schiebt sich die Rahmengeschichte, ihre aktuelle Liebessituation, ins Zentrum, bis sie die Handlung übernimmt. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2015.

Leta Semadeni: Tamangur. Rotpunkt, April 2015

Ein Dorf voller Schatten im Tal. Eine Kirche, ein Schulhaus, der Dorfplatz mit der Lügenbank. Hier lebt das Kind zusammen mit der Großmutter. Der dritte Stuhl am Tisch ist leer, der Großvater, der ein Jäger war, ist jetzt in Tamangur. Tamangur, das nicht nur ein Arvenwald im Unterengadin ist, sondern auch die mysteriöse Welt der Toten. Mit Feingespür, Wärme und Humor, in schnörkelloser aber bildreicher Sprache fängt Leta Semadeni die Welt der Großmutter und des Kindes ein und öffnet uns den Alltag zweier Menschen, die sich gegenseitig am Leben halten: Ein freundliches, manchmal absurdes Tagein Tagaus, unter dem, immer spürbar, das menschliche Drama lauert.

Alain-Claude Sulzer: Postskriptum. Galiani, August 2015

Lionel Kupfer, Filmstar der frühen Dreißigerjahre, ist nach Sils Maria gereist, um sich auf seine nächste Rolle vorzubereiten. Doch die Ereignisse überschlagen sich. Kupfer sieht sich mit der Tatsache konfrontiert, dass er als Jude in Deutschland unerwünscht ist. Die schlechte Nachricht überbringt ihm ausgerechnet Eduard, sein Liebhaber, dessen gefährliche Nähe zu den neuen Machthabern immer offenkundiger wird. Lionel Kupfer ist gezwungen, zu emigrieren. Wir folgen ihm ins Exil nach New York, wo er nie richtig Fuss fassen kann. Innerhalb einer Zeitspanne von fünfzig Jahren begegnen wir Menschen unterschiedlicher Herkunft, deren Wege sich kreuzen, die sich manchmal für wenige Tage sehr nahekommen, um dann wieder auseinandergerissen zu werden. Doch obwohl sie sich aus den Augen verlieren, vergessen sie einander nicht.

Philipp Tingler: Schöne Seelen. Kein + Aber, August 2015

Ein sarkastischer Blick in jene Kreise der Gesellschaft, wo Schein und Einbildung so real sind wie Botox-Spritzen und Diätpillen. Und wo man nichts mehr fürchtet als Peinlichkeit. Philipp Tinglers neuester Roman begleitet nicht nur Oskar Canow in das Behandlungszimmer von Doktor Leonid Hockstädder, Psychohilfe der besseren Kreise, sondern seziert die gute Gesellschaft, ein Milieu, in dem die Gesichter mit Hyaluronsäure gefüllt sind, Partygeschwätz das Leben ersetzt und der Psychotherapeut kleine Aufwallungen des Gemüts zu glätten hat wie der Schönheitschirurg die Haut.

Ulrike Ulrich: Draussen um diese Zeit. Luftschaft, Juli 2015

Sie sind draußen, die Menschen in den Erzählungen von Ulrike Ulrich. Sie arbeiten mit ihren Laptops im Wiener Kaffeehaus, sie spielen Akkordeon in der Pariser Métro, sie kleben illegal anarchistische Plakate an der Piazza di Spagna in Rom oder tauchen ihre Füße im Palmenhaus in Zürich ins Schildkrötenbecken. Obwohl die meisten von ihnen ein Zuhause haben, suchen sie ihr Glück nicht in den eigenen vier Wänden, sondern draussen. Ulrike Ulrich versammelt in diesem Band Erzählungen von sprachlicher Dichte und Präzision, die mit eigensinnigem Humor Einblicke in die Gedankenwelt der Figuren eröffnen und die Schönheiten und Abgründe des Menschseins in unserer Zeit aufdecken.